Das Ziel fest
im Blick
Tourenbericht
von Andreas und Sybille

Rongai
Route im September 2007
Erster Tag: Endlich ist es soweit, der Tag der Abreise ist da. Nach vielen Wochen der Planung, der Vorbereitung (auch der sportlichen) und dem Beschaffen der Ausrüstung geht es früh morgens zum Flughafen nach Tegel. Mit der KLM fliegen wir über Amsterdam direkt nach Tansania zum Kilimanjaro Airport, wo wir am Abend landen. Alles läuft prima, sämtliches Gepäck hat es auf das Laufband geschafft (was nicht immer der Fall ist, wie wir auf der Rückreise feststellen mussten), draußen steht schon Alexander und nimmt uns in Empfang. Dann geht es noch ca. 1 Std. mit dem Auto nach Moshi in unser Base Camp - Rose Home. Nach der Zimmerverteilung und der Erklärung der wichtigsten Gegebenheiten gibt es erst mal ein kühles Kilimanjaro Bier auf der Terrasse, hmm... jetzt ist Urlaub! Dann folgt ein Zweites ... .

Zweiter Tag: Nach einer sehr erholsamen Nacht macht uns Saidi, der Koch und gute Geist im Camp, ein hervorragendes Frühstück und wir genießen die Sonne und die Wärme. Den Tag heute wollen wir nutzen, um uns mit der Umgebung ein bisschen vertraut zu machen und die Sachen für die morgen beginnende Bergbesteigung müssen ja auch gepackt werden. Nach dem Frühstück also erst mal das wichtigste, Gepäck sortieren und dann ein Spaziergang durch Moshi. Obwohl Moshi eine kleine Stadt ist, tobt hier doch das afrikanische Leben, alles ist sehr bunt, vor allem die Kleidung der afrikanischen Frauen. Es ist sehr spannend einfach nur an der Ecke bei einer Cola zu sitzen und dem bunten Treiben zu zusehen. Am Abend gibt es von Saidi ein tolles Abendessen und nach einem gemütlichen Ausklang beginnt die Nacht vor dem großen Abenteuer.
Dritter
Tag: Nach einem ausgiebigen Frühstück ist auch schon unser Guide
und ein Teil der Träger im Camp angekommen um uns abzuholen. Jetzt heißt
es Gepäck im Auto verstauen und unsere Tagesrucksäcke mit Wasser
und den Lunchboxen zu bestücken. Und jetzt geht es los, auch wir verstauen
uns im Auto und ab geht die Fahrt. Unterwegs halten wir kurz, um die restlichen
Träger an Bord zu nehmen und weiter geht's zum Marangu Gate. Hier müssen
wir uns registrieren und dann fahren wir noch ca. 3 Stunden weiter vorbei
an bunten Bananenmärkten und kleinen afrikanischen Dörfern zum Startpunkt
der Rongai Route auf der andere Seite des Kili's. Dann endlich sind wir da,
jetzt wird das Gepäck aufgeteilt, gewogen (damit jeder Träger nur
das max. zulässige Gewicht trägt). Wir tragen uns in der Zwischenzeit
in das Buch der Parkverwaltung ein und dann heißt es für uns Rucksack
auf und losmarschiert. Das Wetter ist hervorragend, die Sonne scheint und
es hat ca. 25 Grad.

Es ist nun schon früher Nachmittag und die erste Etappe heute ist nicht
sehr lang. Der Weg führt uns vorbei an Mais- und Bananenplantagen und
immer wieder werden wir von Kindern ein Stück begleitet die uns aus den
umliegenden Häusern begrüßen. Alle fragen nach Schokolade,
wie alle Kinder auf dieser Welt, aber sinnvoller erscheint es hier, von Zuhause
ein paar Buntstifte und kleine Malbücher oder ähnliches mitzubringen
und zu verteilen, davon haben die Kinder mehr.
Nach einiger Zeit wechselt die Landschaft nun von Plantagen zu Regenwald,
alles ist nun sehr grün und dicht bewachsen. Von hinten kommen auch schon
unsere Träger an und überholen uns. Bis zum Lager ist es nicht mehr
weit und es muss ja noch alles aufgebaut werden.

Nach 2,5 Std. sind wir für heute am Ziel. Unser Zelt steht schon und
wir werden mit einer kleinen Schüssel mit warmem Wasser zum Waschen empfangen.
Danach gibt es warmes, frisches Popcorn und Erdnüsse und einen heißen
Tee. Gerade richtig, denn die Sonne verabschiedet sich schon langsam und es
wird doch etwas kühler. Unser erstes Camp, das Simba Camp, befindet sich
auf 2600m, eingerahmt von grünen hohen Büschen und Gras. Mit uns
sind hier noch 2 weiter Gruppen, ein Pärchen aus Bayern und drei australische
Frauen. Ich finde das sehr angenehm, keine riesige Zeltstadt mit Massen an
Menschen, sondern Ruhe um die Natur zu genießen. Nach dem Abendessen
geht es auch schnell ins Zelt, es wird jetzt doch richtig frisch und der Fleecepulli
hilft auch nicht mehr. Noch die Thermoskanne mit heißem Teewasser reingenommen
(ich muss noch auf die 4 Liter Flüssigkeit täglich kommen, was sich
als außerordentlich wichtig herausgestellt hat) und ab in den kuscheligen
Schlafsack. Hierzu eine Anmerkung, wer nicht wirklich einen richtigen Bergschlafsack
hat (ein Schlafsack, der zum normalen Camping bei uns benutzt wird hat hier
überhaupt keinen Sinn), sollte sich diesen von Afromaxx ausleihen. Da
sollte man nicht an dem bisschen sparen, das wäre an der falschen Stelle
gespart, denn die Kosten sind im Gegensatz zu der ganzen Tour gering.
Vierter
Tag: Am Morgen begrüßt uns ein herrlicher Tag, strahlend blauer
Himmel ohne eine einzige Wolke und im Hintergrund..... der Berg. Einfach ein
toller Anblick am frühen Morgen. Es ist auch schon angenehm warm, sobald
die Sonne ins Camp scheint.

Das Frühstück ist sehr gut, wie überhaupt das gesamte Essen
auf der Tour einfach klasse war. Es ist mir nicht ganz klar wie man unter
so einfachen Bedingungen solche Speisen zaubern kann. Es gibt Porridge (das
einfach beste was man auf so einer Tour am Morgen essen kann, gibt viel Energie
und hält lange an, Geschmack: na ja, darüber lässt sich streiten,
aber es ist durchaus essbar), Rühreier, Toast, Marmelade und Honig. Nach
dem Frühstück heißt es Sachen packen, Zelt aufräumen
und weiter geht's. Unsere heutige Tour führt uns zum Kikelewa Camp auf
3600 m und dauert ungefähr 6 Std. Wir gehen sehr langsam, von Anfang
an, wir sind immer mit der Zeit am hinteren Ende der angegebenen Zeitspanne,
aber dafür ist es nicht anstrengend und wir können so die tolle
Landschaft genießen, schließlich machen wir keinen Wettlauf und
die Zeit ist ja egal. Ein herrlicher Anblick, rechts den Kibo und links den
Mawenzi, beide wolkenlos unter strahlend blauem Himmel. Das war es auch was
ich an der ganzen Tour am tollsten fand, man hat immer sein Ziel genau vor
sich, man kann immer den Kibo sehn und das hilft beim motivieren, wenn es
mal wieder anstrengender wird - er wartet geradezu auf einen. Kurze Zeit später
haben uns unsere Träger auch schon eingeholt und ziehen nach einem kurzen
Plausch weiter.

Auch an diesem Tag ist es angenehm warm, so dass ein T-Shirt zum Laufen völlig
ausreicht. Die Landschaft hat sich zum Vortag etwas verändert, wir laufen
jetzt durch halb hohes Buschwerk und Gräser. Zum Mittag machen wir Rast
an der Second-Cave und plündern unsere Lunchboxen. Dann geht es weiter,
der Kili wird langsam von ein paar aufziehenden Wolken eingehüllt. Ein
tolles Schauspiel, wie die Wolken immer wieder auf und abziehen. Am Nachmittag
am Ziel der heutigen Etappe angekommen, erwarten uns wieder Tee und Popcorn
und später ein tolles Abendessen.
Fünfter
Tag: Auch heute werden wir wieder von einem wolkenlosen Himmel begrüßt,
es ist noch etwas frisch und man kann noch einen Fleecepullover vertragen.
Dies ändert sich aber schnell, nachdem die Sonne das Camp im Griff hat
und es wieder angenehm warm wird. Unser heutiges Ziel ist die Mawenzi Tarn
Hut auf 4300 m. Die Tour dauert 4 Std. und wir sind zum Lunch schon im Camp.
Die Vegetation wird nun in dieser Höhe schon sehr viel spärlicher,
es gibt noch kleine Büsche und niedrige Gräser. Am Nachmittag ziehen
Wolken auf und sofort wird es kühler. Jetzt muss schon mal die Jacke
herhalten und eine Mütze auf den Kopf. Das Camp liegt an einem kleinen
See (wirklich klein) mit dem Mawenzi im Hintergrund. Nach dem Lunch stellen
sich erste Kopfschmerzen ein, so dass wir uns ins Zelt verziehen und ein wenig
ruhen. Am Abend sind die Kopfschmerzen noch etwas stärker geworden und
auch an Essen mag man eigentlich nicht denken. Jetzt heißt es trinken
was reinpasst, auch wenn einem nicht danach ist, gerade heute sollten es die
besagten 4 Liter werden.
Da kommen einem dann schon die Gedanken, schaff ich das überhaupt wenn
ich hier schon solche Schwierigkeiten habe? Nach Einnahme von Kopfschmerztabletten
(Paracetamol, geht nicht so auf den Magen wie Aspirin) zur Nacht und ein paar
Stunden relativ guten Schlafes, sieht die Welt am nächsten Morgen wieder
viel besser aus.

Sechster
Tag: Die Sonne geht im Osten über der kenianischen Ebene auf, es
wird langsam wärmer, die Kopfschmerzen sind weg und alles ist schön.
Diese Nacht war es wohl sehr kalt, es hat gefroren und unser Zelt hat am Morgen
eine kleine Eisschicht. In unseren Schlafsäcken war davon nichts zu spüren,
die waren immer warm und kuschelig. Heute ist unser Akklimatisationstag hier
auf der Mawenzi Tarn Hut. Unser Guide möchte mit uns noch ein bisschen
höher Aufsteigen und wir machen uns nach dem Frühstück auf
den Weg. Es geht ein Stück den Mawenzi hoch. Ganz rauf darf man nicht,
es ist zu gefährlich da immer wieder große Felsbrocken herunterfallen.
Wir gehen soweit es möglich ist hinauf, na ja gehen ist nicht das richtige
Wort, es ist ein großes Geröllfeld das wir erklimmen wollen, es
geht immer ein Schritt vor und bestimmt zwei rutscht man wieder zurück,
es ist schon ganz schön anstrengend und ohne meine Stöcke hätte
ich es gar nicht geschafft. Wird es so etwa am Kibo werden? Aber wieder erwarten
kommt man dann doch oben an und es ist toll wieder etwas geschafft zu haben.
Zum Lunch sind wir wieder unten und auch diesen Nachmittag verbringen wir
hauptsächlich mit ausruhen. Da am Nachmittag wieder Wolken aufziehen
und es doch frisch wird, krabbeln wir in unsere Schlafsäcke und trinken
heißen Tee. Es ist schon sehr wichtig hier einen zusätzlichen Tag
zur Akklimatisation einzulegen. Am Abend fühlten wir uns richtig gut
und hatten auch das erste mal das Gefühl den Gipfel wirklich erreichen
zu können.
Siebenter
Tag: Heute ist es soweit, der große Tag des Aufstieges ist da (Na
ja, zumindest der Aufbruch zum Kibo fällt noch in diesen Tag). Auch heute
begrüßt uns der Tag wieder mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein.
Nach dem Frühstück wieder alles rein in die Rucksäcke und los
zur Kibo Hut auf 4700m. Der Weg führt uns über den Sattel, immer
im Blick den Kibo. Zum Laufen heute ist ein Fleece und eine Mütze angesagt,
denn trotz Sonne ist es doch nicht mehr ganz so warm hier oben und über
den Sattel weht ein kühler der Wind. Zum Mittag erreichen wir unser Ziel,
die Sonne hat sich mittlerweile hinter dichten Wolken versteckt und es wird
wieder kühl, so dass jetzt die Jacken drüber müssen.

Nach dem Lunch heißt es wieder ruhen, denn in der Nacht geht es los.
Das Abendessen bekommen wir etwas früher als sonst (damit noch ein paar
Stunden mehr zum Schlafen bleiben) und packen anschließend die Sachen
für den in der Nacht beginnenden Aufstieg heraus. Dann rein in die Schlafsäcke
und schlafen. Die Nacht ist nicht ganz so ruhig, denn hier sind wir nicht
ganz so alleine wie in den andern Camps. Hier trifft die Rongai und die Coca
Cola (Marangu) Route aufeinander und es sind noch viele andere Leute hier
die über die andere Route aufgestiegen sind. Wie wir dann mitbekommen,
fordert der Berg in dieser Nacht seine ersten Opfer, in Form von sich übergebenden
Menschen. Es ist nicht zu unterschätzen, wer zu schnell ohne genügende
Akklimatisation aufsteigt riskiert am Ende kurz vor dem Ziel aufgeben zu müssen.
Das ist gerade bei der Marangu-Route der Fall, wo am vorletzten Tag (Horombo
Hütte zur Kibo Hut) ca. 1000 Höhenmeter zu bewältigen sind,
Abendessen, ein paar Stunden ruhen (an schlafen in der festen Kibo Hut ist
durch die vielen Menschen nicht zu denken) und dann wieder 1000 Höhenmeter
zum Gipfel. Das sind 2000 Meter in 24 Stunden. Da ist es auch verständlich,
warum die Erfolgsquote auf dieser Route so gering ist. Ob es sich da wirklich
lohnt einen Tag zu sparen und es deshalb nicht zu schaffen? Aber das muss
jeder für sich selbst entscheiden.
Achter
Tag: Der Aufstieg beginnt, es ist 23:00 Uhr und wir werden geweckt. Es
gibt heißen Tee und wir knabbern an unseren Powerriegeln, viel Appetit
haben wir zu dieser Zeit nicht. Dann rein in die Klamotten, lange Funktionsunterwäsche,
darüber ein dünner Fleecepullover, ein dickeres Fleece und die Jacke,
Trekkinghose und darüber die Regenhose (ist windundurchlässig und
damit alles etwas wärmer), Mütze und Handschuhe und nicht zu vergessen
die Stirnlampe angeschaltet. Nun die Trinksysteme mit heißem Wasser
gefüllt und die Powergels greifbar verstaut. Wir hatten Camelbags dabei,
mit einem dazugehörigen Thermobehälter und auch die Schläuche
hatten eine Isolierung drum herum (gibt es im Fachhandel zu kaufen) und wir
waren sehr zufrieden damit. Dadurch dass man ständig kleine Schlucke
warmen Wassers in den Schlauch zieht hat es das System bis knapp unter den
Gipfel geschafft, erst da ist dann das Mundstück eingefroren. Wenn man
Isolierflaschen mitnimmt und diese hinten im Rucksack verstaut muss man für
jeden Schluck den Rucksack abnehmen, was man aber nur selten tut, da das einfach
viel zu anstrengend ist, immer Rucksack auf, Rucksack ab. Aber das trinken
ist auch beim Aufstieg sehr wichtig und mit dem Camelbag ist es möglich
oft kleine Schlucke zu nehmen und das ist für den Magen nicht so anstrengend
wie große Portionen. Auch haben wir festgestellt dass Powergels den
Powerriegeln vorzuziehen sind, denn wer kaut schon gerne auf einem staubigen
Riegel herum, wenn er sowieso kaum Luft zum Atmen hat? So ein Gel ist schnell
runtergeschluckt und hat uns zu manchem Zeitpunkt auch vorm Aufgeben bewart.
So, alles fertig, also los. Alle anderen Bergsteiger sind schon unterwegs,
man sieht eine kleine Lichterschlange sich den Berg hinaufschlängeln.
Wir reihen uns hinten an und es läuft sich sehr gut, wir sind guter Dinge.
Das Zeitgefühl ist mir hier irgendwie abhanden gekommen, ich habe keine
Ahnung wie lange wir schon unterwegs sind, man trabt so vor sich hin, immer
den Füßen des Guides hinterher. Es kommt die 5000m - Grenze, die
Hans Meyer Höhle und der Pfad windet sich weiter im Zickzack den Berg
hinauf, hier merkt man dass es doch steiler ist, sehen kann man nichts und
das ist glaub ich auch ganz gut so. Wir machen mehrere kurze Pausen und plötzlich
stehen wir vor großen Felsen über die man hinüberkrabbeln
muss. Ich bin überrascht schon so weit zu sein, denn die Felsen sind
knapp unter dem Gilmans Point, dem Kraterrand, das hatte ich vorher gelesen.
Nur noch das kleine Hindernis der Felsen und dann ist es geschafft, zumindest
der erste Teil, denn schon am Gilmans Point gilt der Berg als bestiegen.

Es ist 6:30 Uhr und wir stehen am Kraterrand, die Sonne geht gerade auf, ein
überwältigender Anblick. Da wir uns noch sehr gut fühlen ist
es klar, wir versuchen weiterzugehen zum eigentlichen Gipfel, dem Uhuru Peak.
Es sieht von hier gar nicht mehr so weit aus, aber der Weg zieht sich dann
doch in die Länge. Es dauert noch mal 1,5 Std. bis dorthin. Vorbei am
Stella Point, durch kleine Schneefelder und entlang der riesigen Gletscher,
die in der Sonne schimmern. Es ist anstrengend, obwohl der Weg fast eben erscheint
merkt man ganz gewaltig in welcher Höhe man sich bewegt. Und dann ist
es geschafft, der Gipfel - Uhuru Peak 5895m, kaum zu glauben.

Das richtige Glücksgefühl stellt sich bei mir allerdings nicht gleich
ein, ich bin zu müde, schnell die Gipfelfotos gemacht und einen Schluck
heißen Tee von unseren Guides. Und nun kommt das Schlimmste für
mich von der ganzen Tour, der Rückweg. Meine ganzen Gedanken waren nur
auf den Gipfel gerichtet, nur bis dahin ging meine Planung. Was ich völlig
vergessen hatte war, man muss den ganzen Weg ja wieder zurücklaufen,
und das war die reinste Qual. Zurück am Gilmans Point und nach unten
geschaut, sagten mir meine Beine: "niemals werden wir jetzt noch diesen
Abstieg machen können". Aber es nutzt ja nichts, schließlich
kann man ja nicht oben bleiben, also Augen zu und weiter. Wieder zurück
über die großen Felsen und dann konnte man den Weg etwas abkürzen
indem man nicht das Zickzack zurück ging, sondern quer durch das Geröll
hinabschlidderte. Ich versuchte dies auch, aber das Abbremsen war noch viel
anstrengender als den etwas weiteren Weg auf dem befestigten Pfad zu gehen.
Meine Oberschenkel zitterten bei jedem Stopp und der Weg war noch sooo weit.
Also ging ich wieder das Zickzack herunter, was dann halbwegs ging.
Nach 4 Stunden, es war jetzt 12:00 Uhr, hatten wir es vom Gipfel zurück
zur Kibo Hut geschafft. Ich sank nur noch auf die Bank und dachte mir, heute
stehe ich hier nicht mehr auf. Aber falsch gedacht, die Quälerei machte
nur Pause. Und trotz alledem, langsam realisierte man was man gerade geschafft
hatte, man hatte den höchsten Berg Afrikas bezwungen.
Unser Koch bereitete ein kleines Mittagessen und dann gestattete man uns noch
mal eine kurze Pause von 1,5 Std. in unserem Zelt, die wir zum Schlafen nutzten.
Schlafen ist allerdings untertrieben, ich würde sagen es ist eher so
was wie ein Koma. Als der Guide uns weckte und meinte wir müssten uns
jetzt auf den Weg machen war das eine Vorstellung, die völlig abwegig
erschien. Wir sagten ihm, dass wir nie im Leben jetzt irgend einen Schritt,
egal wohin, machen würden und er uns in Ruhe weiter schlafen lassen solle
aber gerne morgen noch mal danach fragen könne. Es hilft nichts!! Wieder
Schuhe an, packen und los. 3 Stunden liegen vor uns bis zur Horombo Hut. Der
Weg ist sehr breit, gut ausgebaut und es geht weiter bergab (mal was positives)
zu unserem letzten Camp.
Neunter
Tag: Nach einer Nacht im Tiefschlaf begrüßte uns auch am letzten
Tag ein blauer wolkenloser Himmel und wärmende Sonne. Ein letztes Mal
Katzenwäsche, heute Abend wartet eine warme Dusche, ah wie ich mich darauf
freue.

Ein letztes Frühstück am Berg und los geht's, weiter den Berg hinab.
Die heutige Tour dauert nochmals 7 Stunden. Nach 4 Stunden (zur Mittagspause)
habe ich die Nase voll vom Laufen, eigentlich will ich jetzt nicht noch mal
3 Stunden weiterlaufen. Meine Beine tun wieder weh. Auf dem Weg hinab muss
man immer wieder die angelegten Stufen runtersteigen, was meine Füße
nun absolut nicht mehr wollen. Aber wie schon gesagt, es hilft nichts, man
muss weiter und so quäle ich mich die letzten Kilometer den Berg hinab,
bis endlich die Hütten am Marangu Gates zu sehen sind. Im Gate-Office
tragen wir uns in das Gipfelbuch ein und erhalten unsere Urkunden.

Jetzt endlich ist es wirklich vollbracht. Von hier aus muss ich nun keinen
Schritt mehr weiter laufen, sondern das Auto holt uns ab und fährt uns
wieder zurück zum Rose Home in Moshi.
Im Base Camp lassen wir uns dann auf der Terrasse in die Stühle fallen
und genießen zwei kalte "Kilimanjaros".... .
Zum Schluss nochmals vielen Dank an Madeleine und Alex und auch an unseren Guide Deus für die perfekte Organisation und die familiäre Atmosphäre. Eine gute Agentur bedeutet, eine wirklich wesentliche Erleichterung bei der Besteigung des Kilimanjaros zu haben. Man muss "nur" noch selber laufen; alles Andere macht Afromaxx.
Andreas
+ Sybille 2007