Kilimandscharo
- zwei Schweizer besteigen den Gipfel
Tourenbericht
von Rüthemann Peter und Josef

Marangu Route vom 28.03. - 01.04.2005
Mein Vater Josef und ich (Peter) entschieden uns wieder einmal eine Abenteuerreise zu machen. Der Kilimandscharo schien uns genau das Richtige. Ein Berg der für unsere Verhältnisse sehr hoch, aber trotzdem für unerfahrene Bergsteiger zugänglich ist.
Tag
1: Gate Marangu (1800m) - Mandara-Hütte (2750m)
Unsere Tour begann am 28. März 2005 in Moshi. Im Afromaxx Basecamp werden
wir, von unserem Trupp abgeholt werden. Er besteht aus dem Guide Msafiri,
dem persönlichen Träger James und weiteren Trägern für
die Küche. Wir haben uns für die Maranga-Route und den Anbieter
Afromaxx entschieden. Die Route wird auch als Coca-Cola-Route bezeichnet und
dauert in unserem Fall fünf Tage. Auf einen zusätzlichen Akklimatisationstag
haben wir verzichtet.
Der eigentliche
Start der Wanderung liegt beim Marangu-Gate auf 1800m. Hier werden die Formalitäten
geklärt und das Eintrittsgeld für den National Park entrichtet.
Um die Mittagszeit geht's los. Der Berg ist bekannt dafür, dass man alle
sechs Vegetationszonen begeht, wenn man die Gletscher mitzählt. Wir befinden
uns jetzt also im tropischen Teil. Die Pflanzen sind überwältigend,
obwohl die Bäume nicht ganz so hoch sind, wie in einem tropischen Regenwald.
Die Tierwelt ist sehr belebt, man ist ständig vom Pfeifen der Vögel
umgeben. Wir treffen sogar Affen in nächster Nähe an, die sich von
Baum zu Baum hangeln. Zu Mittag gibt es typisches afrikanisches Essen, das
sehr genießbar ist. Das Schritttempo ist sehr langsam, der Guide bremst
uns ständig. Zu diesem Zeitpunkt ist uns noch nicht bewusst, dass das
sehr wichtig ist. Es hilft, uns besser an die Höhe anzupassen. Als Schweizer,
die Berge gewöhnt sind und deshalb ein schnelleres Tempo gehen, wird
uns das erst am dritten Tag klar. Der heutige Abschnitt dauert nur etwa 3h,
wir kommen also schon etwa um 15.00 an. Wir beziehen unsere Hütte. Die
Maranga-Route ist die Einzige, bei der man Hütten antrifft. Um den Nachmittag
zu füllen, machen wir einen kurzen Ausflug zum Maundi-Krater. Auf dem
Weg dorthin, wandert man durch übermannshohe Gingsterwälder bis
man den Kraterrand erreicht. Er ist sehr klein und bewachsen. Hier erblicken
wir zum ersten Mal eine freie Aussicht auf das Land. Wir befinden uns an einer
Vegetationsgrenze, unter uns liegt der Wald und oben befindet sich tropische
Savanne, mit niederen Pflanzen.
Das Nachtessen nehmen wir in der grossen Hütte ein und legen uns bald
zur Ruh. Da wir uns in Äquatornähe befinden, geht die Sonne bereits
um 19.00 unter. Da bleibt uns nichts anderes übrig als sich ein wenig
Lecture zu gönnen und langsam schlafen zu gehen.
Tag
2: Mandara-Hütte (2750m) - Horombo Hütte (3718m)
Der Morgen ist etwas frischer, wir staunen aber nicht schlecht, als uns James
eine Schüssel warmes Wasser bringt. Sehr luxuriös. Die Tour heute
dauert etwas mehr als 5h. Wir gehen um 8.15 langsam los, der Höhenunterschied
beträgt immerhin 1000m. Das Wetter ist für die Höhe immer noch
sehr warm. Zu erwähnen ist, dass im Moment Regenzeit ist. Wir müssen
also immer mit Niederschlägen rechnen. Wie sich später herausstellt,
haben wir unglaubliches Glück und bekommen keinen einzigen Tropfen ab.
Die Vegetation wird immer geringer. Man findet noch höhere Palmen an
den Bachläufen. Hier werden die Wasserflaschen wieder aufgefüllt.
Leider ist das Wasser nie vollständig klar, es hat mehr einen gelblichen
Touch, zum Glück habe ich meine Entkeimungspillen dabei.
Natürlich sind wir nie alleine unterwegs. Wir werden von unseren Guide
begleitet und treffen auf Porter, die uns in rassigem Schritt überholen.
Als wir in der Hütte ankommen, ist es ziemlich bedeckt und man geht davon
aus, dass es bald regnen wird. Die Wolken zogen überraschend schnell
ab und es wurde wieder angenehm warm. Für uns war es ist ein komisches
Gefühl, in Höhe des Jungfraujochs, nur ein T-Shirt zu tragen und
dank des langsamen Gehens noch gar nichts von der Höhe zu merken.
Die Hütten sind sehr komfortabel, da wegen der Regenzeit wenig los ist,
haben wir eine 4er-Hütte für uns alleine. Sie sind sogar mit einer
Solarzelle ausgestattet, dass wir sogar genügend Licht zum Lesen haben.
Die sanitären Anlagen sind sauber, man muss sich halt mit kaltem Wasser
begnügen.
Tag
3: Horombo-Hütte (3718m) - Kibo-Hütte (4703m)
Heute folgt wohl der strengste Tag. Ein Marsch bis auf 4700m, ein paar Stunden
schlafen, um Mitternacht die Gipfelbesteigung und wieder zurück.
Um 8.20 geht's los. Das Frühstück war ausgiebig. Gurken, Tomaten
mit einem Spiegelei. Die Vegetation wird immer rarer, bis sie sich vollständig
auf Gras beschränkt. Nach ein paar Stunden kommen wir bei der letzten
Wasserstelle vorbei: "The Last Waterpoint" Was wir erst später
realisieren, dass von diesem Tümpel das gesamte Wasser ins Camp getragen
werden muss. Das Wasser wird dort bestmöglich gefiltert, damit wir es
abfüllen können.
Weitere Stunden später marschieren wir in einer grotesken Mondlandschaft.
Es ist trocken und es gibt gar keine Pflanzen mehr. Dafür genießen
wir einen traumhaften Blick auf den Mawenzi, ein nicht ganz so hoher Krater
dessen Spitzen, markante Schratten hat. Man glaubt eine Wüste zu durchqueren,
es ist sehr flach und warm. Ich höre Musik um mich abzulenken und um
meine Motivation zu steigern. Als wir das Camp am Fusse des steinigen Kibo-Kraters
sehen, machen wir eine Pause. Wir müssen feststellen, dass sich unser
Wasservorrat dem Ende neigt. Das ist ein Problem, das meinem Vater nun zum
Verhängnis wird. Auf den letzten paar hundert Meter kämpft er mit
der Höhe und dem Durst. Er muss immer wieder pausieren und ist dabei
sehr froh um seinen selbst geschnitzten Stock. Er fällt immer mehr zurück,
so dass ich und der Guide vorgehen. James geht los, um ihm Wasser zu bringen.
Als rettender Engel nimmt er ihm den Rucksack ab und begleitet ihn. So schafft
es Josef erschöpft bis zum Camp. Dort gibt es im Gegensatz zu den anderen
Hütten, Zimmer mit 12 Betten. Sie sind so freundlich uns ein ganzes Zimmer
zu überlassen, damit er sich erholen kann.
Nach einem Nickerchen kommt die Energie bald zurück. Es ist ziemlich
kalt draussen und es beginnt zu schneien. Man sorgt sich, ob der Gipfel wohl
morgen frei sein wird. Morgen ist die Wetterlage am Wichtigsten für die
ganze Tour. Zum Glück hört es bald auf zu schneien.
Die Höhe merkt man hier schon sehr stark. Als Test renne ich nur 20m,
fühle mich danach wie nach einem 12-Minuten-Lauf.
Nach dem Abendessen, das wir in unserer ganzen Winterausrüstung einnehmen,
weil es so kalt ist, folgt das Briefing. Der Guide erklärt uns, dass
wir um 24:30 losgehen werden um etwa zum Sonnenaufgang auf dem Uhuru Peak
anzukommen. Nach dem Aufstieg werden wir hier zurückkommen und das Frühstück
einnehmen, dann weiter bis zur Horombo-Hütte wandern. Das ist nötig,
weil wir zu wenig Sauerstoff im Blut haben und deshalb hier nicht schlafen
dürfen.
Um 19.00 versuchen wir einzuschlafen, bis wir um Mitternacht geweckt werden.
Tag
4: Kibo-Hütte (4703m) - Uhuru Peak (5895m) - Horombo - Hütte (3718m)
Um Mitternacht gibt es Tee und ein paar Kekse. Ich weiss nicht wirklich, ob
ich geschlafen habe. Alle anderen sind schon gegangen, als wir um 00.30 vor
die Hütte treten. Der Guide und James begleiten uns, da sie wohl annehmen,
dass es vielleicht nicht beide schaffen werden. Es folgt ein kurzes Gebet,
in dem man bittet, dass alles gut gehen wird. Es ist zwar nicht Vollmond,
aber der Mond scheint doch genügend hell, um den Weg ohne Taschenlampe
in Angriff zu nehmen. Es ist sehr kalt, ich trage 2 T-Shirts, einen Pullover
und eine dicke Daunenjacke. Doch schon bald friere ich an Finger und Füsse.
Wir machen nun Schritt für Schritt. Die Schrittlänge ist manchmal
keine Fusslänge lang. Die Zeit geht sehr langsam um. Nach einer halben
Stunde schaue ich zurück und stelle fest, dass wir erst etwa 500m zurückgelegt
haben. Die Zeit verstreicht extrem langsam. Der Weg wird nun zum ersten Mal
steil. Man geht den Weg über ein Sandhalde im Zick-Zack. Nach 3h erreichen
wir dann doch endlich den Hans-Meyer-Stein. Er soll etwa in der Hälfte
dieser Halde liegen. Von da an bekommt mein Vater allerdings immer mehr Probleme
mit der Höhe. Er muss nun häufig pausieren und sich auf seinem Stock
abstützen. Dann geht es ein paar Meter weiter, bis dasselbe erfolgt.
In dieser Zeit habe ich die Möglichkeit den Himmel zu beobachten. Er
ist total wolkenlos und die Luft sehr rein. Man kann sehr gut die Milchstrasse
erkennen. Der grosse Bär ist auch sichtbar, natürlich an einem ganz
anderen Ort. Hinter dem Mawenzi im Tal tobt die Regenzeit.
Mein Vater bekommt kurz vor dem Gilman's Point zunehmend Probleme. Er muss erbrechen und hat Gleichgewichtsstörungen. Seine Antworten auf meine Fragen sind nicht sehr deutlich. Über eine Rückkehr wird aber nie diskutiert. Wir erreichen dann um 6.00 den Gilman's Point mit 2h Verspätung. Die Lebensgeister werden wieder wach gerüttelt, als die Sonne über den Regenwolken aufgeht. Die Gletscher erstrahlen in ihrem schönen Blau. Gerade aus diesem Grund entscheiden wir uns weiterzugehen und noch den letzten Teil zum Uhuru Peak in Angriff zu nehmen. Es führt mit einer nur noch geringen Steigung dem Kraterrand entlang. Wir kommen an Gletschern vorbei und treffen immer wieder auf Leute, die es geschafft haben und uns Kraft für den letzten paar Meter wünschen. Die Tafel, die den Punkt symbolisiert, erscheint sehr nahe. Wir sehen sie aber trotzdem dauert der Weg noch 1,5 Stunden. Es ist eine grosse Erleichterung, als wir endlich um 7.40 den höchsten Punkt Afrikas erreichen. 4 Tage waren wir unterwegs, um dieses Ziel zu erreichen. Wir machen das obligate Gipfelfoto und packen ein wenig Sand als Erinnerung ein. Es gibt einen Gipfeltrunk, dann machen wir uns auf den Rückweg. Es ist bereits hell, aber immer noch kalt. Für mich fühlt es sich wunderbar an, abwärts zu gehen. Sobald wieder eine leichte Steigung kommt, spüre ich die dünne Luft. Auf dem Rückweg sehen wie erst, welche Entfernung wir zurückgelegt haben. Die lange Zick-Zack-Strecke, die man in mehr als 5h mühsam begangen hat, kann man nun in etwas mehr als einer halben Stunde zurücklegen. Es ist mehr ein Herunterrutschen. Komischerweise beginnen für mich hier die Probleme. Ich hatte doch bis jetzt überhaupt keine Schwierigkeiten. Das mühsame Rutschen im Sand schlägt auf die schwachen Beine und die Sonne, die jetzt ziemlich warm scheint, steigt in den Kopf. Ich bin sehr geschwächt als ich in der Kibo-Hütte ankomme und möchte am liebsten einschlafen. Ich versuche mich mit dem warmen Tee wach zu halten und mache mir Sorgen, ob ich es bis zur Horombo-Hütte schaffe. Doch wie der Guide prophezeit hat, geht alles leichter, sobald man Höhe verliert. Um 13.40 kommen wir an und ich fühle mich nicht mehr so kaputt. allerdings müde genug um 3h zu schlafen. James weckt uns zum Nachtessen, doch der Hunger ist nicht gross. Wir legen uns früh zu Ruh und schlafen ziemlich genau 12h durch.
Tag
5: Horombo-Hütte (3718m) - Park Gate - Moshi
Gut ausgeruht und total frisch geht es nun talwärts. Eine normale Wanderung
durch die bereits bekannten Vegetationszonen. Wir sind erstaunt, wie weit
wir eigentlich gegangen waren. Man kommt wieder beim alten Camp vorbei und
dann weiter in den Wald hinein bis zum Ausgangspunkt. Dort erhalten wir unsere
Zertifikate, nach dem wir eine Reihe von Formalitäten ausgefüllt
hatten. Auf festem Papier mit goldenem Rahmen ist lesbar, dass wir den Uhuru
Peak erreicht haben. Mit dem Bus geht es dann zurück zu unserer Lodge,
wo wir uns auf eine angenehme Dusche freuen.
Wir werden uns wohl noch lange an diesen Trip erinnern und bereuen keinesfalls, dass wir uns auf diese anstrengende Tour eingelassen haben.
Rüthemann
Peter