Grzimek wäre 100 Jahre geworden, 23. April 2009
Wenn er auf Sendung ging, saß die Nation vor dem Fernseher. "Ein Platz für Tiere ", moderiert von Bernhard Grzimek, war in den 60er- und 70er-Jahren ein Familienereignis - und mit 70 Prozent Einschaltquoten ein Renner. Mit ruhiger, leicht näselnder Stimme, mal im Pullover, mal in beigefarbener Strickjacke, brachte Grzimek den Deutschen die exotische Tierwelt Afrikas nahe - und ließ dafür sogar Geparden, Orang-Utan-Babys über den Studiotisch tapern.
Grzimek - Tierfreund, Naturschützer und Quotenkönig im TV. Am 24. April wäre er 100 Jahre geworden. Ein Rückblick auf sein Leben: Tiere faszinieren den gebürtigen Schlesier schon als Kind! Deshalb - und weil sein Name so schlecht auszusprechen ist - nennen ihn seine Klassenkameraden "Igel". Das stachlige Tierchen bleibt zeitlebens sein "Wappentier".
Grzimek studiert Tiermedizin, leitet eine Geflügelfarm bei Berlin, arbeitet als Tierarzt. Später wechselt er ins Reichsernährungsministerium, erforscht Hühnerseuchen. Nebenbei widmet er sich der Verhaltensforschung und Tierpsychologie. Als bei Bombenangriffen der Berliner Zoo zerstört wird, holt er sich Schimpansen und kleine Orang-Utans ins Haus, um sie aufzupäppeln.
Nach Kriegsende kommt er nach Frankfurt am Main - und baut den völlig zerstörten Zoo wieder auf. Bei seinen Reisen nach Afrika, wo er Tiere für den Zoo besorgt und ihre Lebensweise studiert, erkennt er die Notlage der dortigen Wildtiere - und sein Lebensziel.
Sein Buch "Kein Platz für wilde Tiere" und die spätere Verfilmung werden Riesen-Erfolge. Mit den Einnahmen unterstützt Grizmek Nationalparks in Tansania. Er dokumentiert das Leben der Wildtiere, überfliegt mit seiner einmotorigen Dornier die Savanne. Bei den Dreharbeiten für den Film "Die Serengeti darf nicht sterben", der später mit einem Oscar ausgezeichnet wird, kommt 1959 sein Sohn Michael bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Unermüdlich setzt sich Grzimek für die Sache der Tiere ein - mit seiner Zeitschrift "Das Tier", ebenso wie mit seiner TV-Sendung und seiner umfassenden Enzyklopädie "Grzimeks Tierleben".
Er sammelt Geld für sein Spendenkonto "Hilfe für die bedrohte Tierwelt", prangert Missstände an - Hühnerfarmen, Massentierhaltung, Robbenschlachten. Grzimek - auch ein Wegbereiter für die Öko-Bewegung. 1970 beruft ihn Bundeskanzler Willy Brandt sogar zum Beauftragten der Bundesregierung für Naturschutz. Weil er dort seine Vorstellungen nicht verwirklichen kann, tritt er drei Jahre später zurück. 1975 gründet Grzimek u. a. mit Horst Stern den "Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland" (BUND). Bis 1974 bleibt er Zoodirektor in Frankfurt, reist aber auch immer wieder nach Afrika, wo er noch heute großes Ansehen genießt.
Am 13. März 1987 stirbt der "Tierprofessor" während einer Zirkusveranstaltung in Frankfurt. Seine Urne ist am Ngorongoro-Krater in Tansania bestattet - da, wo auch sein Sohn Michael seine letzte Ruhe fand.


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