Klassentreffen der anderen Art

Zurück in die Zivilisation ging es nach der Wanderung , und zur Belohnung gönnten sich die Abenteurer eine Safari, drei von ihnen auch noch eine Woche auf der Insel Sansibar. „Gegensätze pur“, wie Werner Adolph, Raimund Königs und Jo Hündgen sagen.Die Idee entstand bei einem Klassentreffen – schließlich waren es fünf Freunde aus Erkelenz, die sich aufmachten, den höchsten Berg des Kilimandscharo-Massivs zu erklimmen. Drei standen auf dem Gipfel.

„Plötzlich durchfloss ein blendender Blutstrom den Himmel. Der Osten loderte auf, hinreißend, unwirklich und fantastisch wie ein Steppenbrand. Ich stand wie versteinert. Eins geworden mit Natur und Zeit vergaß ich für einige Minuten die Welt um mich. Tränen flossen mir über das Gesicht, und ein Schrei der Befreiung löste sich aus meiner Brust. Die Sonne, herrlich in ihrer Geburtsstunde, schleuderte goldene Ströme über das unendliche Wolkenmeer unter mir.“ Die Gefühle haben Werner Adolph übermannt, als er auf 5745 Metern (Stella Point) hoch über Afrika stand. Und da hatte er noch nicht mal den Gipfel erreicht. Für das, was er wenig später am Uhuru Peak (5895 Meter), dem höchsten Punkt Afrikas, empfand, hat er keine passenden Worte.

Kilimanjaro

„Großartig, nicht zu verstehen, einzigartig, einfach nicht zu beschreiben“, heißt es in seinem Tagebuch. „Das muss man erlebt haben“, sagt er auch vier Wochen später noch. Und Raimund Königs stimmt zu. Sie beide und Andreas Krause, der die Reise auf den Kilimandscharo zum 30. Jahrestag des Abiturs von sich, Raimund Königs und Jo Hündgen initiiert hatte, haben es geschafft. Aus dem Klassentreffen ist ein Gipfeltreffen geworden, auch wenn Jo Hündgen und der fünfte Wanderfreund im Bunde, Manfred Gesch, kurz vor dem Gipfel zurückbleiben mussten. Es war nicht die gefürchtete Höhenkrankheit, die die beiden vom Gipfelsturm abhielt. Jo Hündgen litt unter den Spätfolgen einer Virusinfektion, die eigentlich schon Wochen vor der Reise abgeklungen war. Es war eine Vernunftentscheidung, die angeschlagene Gesundheit auf den letzten, schwierigsten Höhenmetern und beim gefährlichen Abstieg nicht weiter zu riskieren. Manfred Gesch war auf die letzte Etappe kurz vor Mitternacht mit aufgebrochen, fiel zurück und schaffte es, obwohl er zwischendurch abgerutscht war und sich eine Rippe gebrochen hatte (wie sich erst zu Hause herausstellte), mit einem Bergführer noch bis zum Stella Point, womit der Kibo als bestiegen gilt.
Leichte Symptome der Höhenkrankheit wie Kopfschmerzen, Fahrigkeit und Vergesslichkeit, hatten alle mal während des Aufstiegs. Am meisten mit der dünnen Luft zu kämpfen hatte Andreas Krause, der sich „mental hocharbeitete“. Bereut hat die Wanderung aber keiner. Im Gegenteil. Die kargen hygienischen Verhältnisse, der tägliche Haferschleim, das stinkende Wasser und die großen Temperaturschwankungen waren jedes Mal vergessen, wenn der Blick runter auf das Wolkenbett oder hoch zum sternenklaren Himmel ging.

Belohnung Sansibar

Zurück in die Zivilisation ging es nach der Wanderung , und zur Belohnung gönnten sich die Abenteurer eine Safari, drei von ihnen auch noch eine Woche auf der Insel Sansibar. „Gegensätze pur“, wie Werner Adolph, Raimund Königs und Jo Hündgen sagen. Vorfreude und Aufregung vor der Abreise: Werner Adolph, Raimund Königs und Jo Hündgen (v.l.) sind zusammen mit Manfred Gesch und Initiator Andreas Krause ausgezogen, den Kilimandscharo zu erklimmen. Drei Schulfreunde von einst haben sich zum 30. Jahrestag ihres Abiturs viel vorgenommen: Zu fünft sind sie gerade unterwegs, den Kibo zu erklimmen – den höchsten Gipfel des Kilimandscharo-Massivs. Ein Klassentreffen kann schön sein. Man trifft Freunde von einst, hat viel zu erzählen und fühlt sich zu später Stunde wieder jung und abenteuerlustig. Vielleicht lässt man sich auch zu Aussagen hinreißen, die man am nächsten Tag bereut. „Lasst uns zum 30. Jahrestag unseres Abiturs einen Berg im Himalaya besteigen“, könnte so ein Satz sein, bei dem man sich etwas weit aus dem Fenster gelehnt hat. So wie Andreas Krause.

Uhuru Peak – Drei blieben übrig

Als Mann mit bergsteigerischer Erfahrung wusste er ganz genau, was er seinen ehemaligen Mitschülern aus der Klasse 5a des Jahres 1968 da vorschlug. Spontan zugestimmt haben sieben bis acht der heute 48-Jährigen, tatsächlich übrig geblieben sind immerhin drei: Raimund Königs, Jo Hündgen und natürlich Andreas Krause. Mit zwei Freunden, die sich auf das Abenteuer einlassen – Werner Adolph und Manfred Gesch – sind sie gerade unterwegs, den Kibo zu erklimmen: den höchsten Gipfel des Kilimandscharo-Massivs. Denn dieses Vorhaben hat sich doch als eher machbar erwiesen, als einen Berg des Himalaya zu besteigen. „Das ist in technischer Hinsicht kein Alpinismus, weil weder Seile noch Klammern oder Eispickel nötig sind. Wir haben uns für die landschaftlich schöne Machame-Route entschieden, das ist eher eine Wanderroute“, erzählten sie einen Tag vor ihrer Abreise.

Höhenkrankheit am Kilimanjaro

Die Vorfreude aber auch die Aufregung waren da schon riesig. Trotzdem ist die körperliche Anstrengung enorm: Der Höhenunterschied beträgt 4100 Meter, und in sieben Tagen hat der Organismus wenig Zeit, sich an die jäh sinkenden Temperaturen und die dünner werdende Atmosphäre zu gewöhnen. Tagsüber herrschen dort etwa Null Grad, nachts bis minus 20, übernachtet wird in Zelten, und die hygienischen Bedingungen sind ebenso naturnah. Vorbereitet haben sich die Männer (darunter ein passionierter Marathonläufer, einer, der auch schon mal mit dem Fahrrad nach Rom fährt, aber auch einer, der sich gerade erst das Rauchen abgewöhnt hat) in der Eifel, im Siebengebirge, im Sauerland und auf der Sophienhöhe. Am meisten befürchten die fünf Abenteurer die Höhenkrankheit, die sich durch Übelkeit, Erbrechen und Nasenbluten ankündigt und zur sofortigen Umkehr zwingt.

Für Tansania richtig reimpft?

Durch tropischen Regenwald Darauf achten die Bergführer, die genau wie Gepäckträger pflichtgemäß die Gruppe begleiten. Am Sonntag ging es los – geimpft und medikamentös versorgt gegen Gelbfieber, Malaria, Hepatitis und einiges mehr – nach Tansania. Gestern führte der erste Marsch durch tropischen Regenwald auf 2990 Metern Höhe, heute geht’s zum Shira-Plateau, und am Samstag bei Sonnenaufgang erreichen sie hoffentlich den Gipfel: Uhuru-Peak – mit 5895 Metern der höchste Punkt in Afrika. Die Belohnung winkt Eine Belohnung haben sich die Abenteurer selbst ausgesetzt: An dem Tag ihres Abstiegs vom Kibo kommen die Ehefrauen nach Tansania nachgeflogen. Dann geht’s erst zwei Tage auf Safari und anschließend für drei der Paare noch für eine Woche auf die Insel Sansibar, die ebenfalls zu Tansania gehört.

Link / RP-Foto: Jürgen Laaser / VON KERSTIN DE HAAS / Erkelenz

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